Brüder-Grimm-Preisträger liest im Nellenburg-Gymnasium

Am vergangenen Mittwoch kamen die Schülerinnen und Schüler der elften Klassen des Nellenburg-Gymnasiums in den Genuss einer Deutschstunde ganz besonderer Art. In Zusammenarbeit mit der Konrad Adenauer Stiftung hatte der Fachbereich Deutsch den aus Lörrach stammenden Schriftsteller Björn Kern, 29 Jahre jung, zu einer Lesung eingeladen.

Kern präsentierte zunächst ein Kapitel aus seinem ersten Roman, "Kipppunkt", in welchem er seine Erfahrungen als Zivildienstleistender in einem Alten- und Pflegeheim in Südfrankreich verarbeitet hat. Anschließend las er aus seinem im Frühjahr erschienenen Roman "Die Erlöser AG", für welchen er am 4. 11. mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau ausgezeichnet worden ist (der Südkurier berichtete davon).

Wieder greift er so bedrängende und brisante Themen auf wie die Überalterung unserer Gesellschaft, den Pflegenotstand und die immer wieder geforderte Abschaffung des Paragraphen 216, welcher die Bestrafung der ‚Tötung auf Verlangen' regelt. In einem beklemmend geschilderten Berlin um 2040 gibt es mehr 90jährige als 20jährige - und eben die erste "Erlöser AG", welche Alten und Schwerstkranken "auf Verlangen" aus der Unerträglichkeit ihres Daseins hilft.

Die Entscheidung allerdings, ob aktive Sterbehilfe wünschenswert ist, nimmt der Autor seinen Lesern nicht ab, indem er nämlich die Betreiber der Agentur, den Chefarzt Miller und den Journalisten Kungebein, keineswegs als durchweg sympathische, selbstlose Erlöser-Engel zeichnet.

Entsprechend gebannt und betroffen lauschten denn auch die Schüler dem Vortrag Björn Kerns - und blieben angesichts der packend und schonungslos dargestellten Probleme eher stumm, als sie zur Diskussion aufgefordert wurden.