Woche alternativer Unterrichtsformen am Nellenburg-Gymnasium
eine positive Überraschung
Am Nellenburg-Gymnasium fand vom 7.03. bis 09.03. die "Woche alternativer Unterrichtsformen" statt, eine unterrichtsnahe Form der Projekttage. In dieser Zeit führten die Lehrer mit Klassen ihrer Wahl ein Projekt durch, das in den meisten Fällen zum aktuellen Unterrichtsstoff passte. Klassen, die kein Projekt hatten, bekamen Blockunterricht oder in manchen Fällen auch teilweise frei. Es sollte ein gemeinschaftsförderndes Projekt sein, bei dem Schüler und Lehrer Unterricht einmal anders kennen lernen sollten.
Es heißt ganz bewusst "Woche alternativer Unterrichtsformen" und nicht "Projekttage", denn die "Woche alternativer Unterrichtsformen" hat einen anderen Sinn und Zweck als Projekttage. Herrn Vollmer schwebte ein Konzept vor, bei dem die Schüler zwar ein Projekt durchführen und in dem Sinne keinen Regelunterricht haben, aber dass das Thema und die Art des Projekts unterrichtsbezogen sind und deshalb auch vom jeweiligen Fachlehrer durchgeführt werden. Die Projekttage sollten keinen freizeitmäßigen Aspekt, sondern mit Bildung zu tun haben.
Deswegen schlug Herr Vollmer in der Gesamtlehrerkonferenz vor, ein dreitägiges Projekt mit dem Namen "Woche alternativer Unterrichtsformen" durchzuführen, bei dem drei Tage lang der Unterricht anders stattfinden sollte. Die Lehrer sollten die Möglichkeit haben, mit einer Klasse ihrer Wahl, in der sie unterrichten, ein Projekt durchzuführen, das auf den Unterricht bezogen ist und wozu sie im normalen Unterricht keine Zeit hätten. Betreffen sollte das Projekt die 5.-11. Jahrgangsstufe. Das Ganze sollte auf freiwilliger Basis beruhen, die Lehrer sollten nicht die Pflicht haben, irgendein Projekt anzubieten. Auch sollte der Gong abgeschaltet werden, damit diese drei Tage wirklich individuell gestaltet werden können. In dieser Zeit sollten sowohl Schüler als auch Lehrer Schule anders erleben können, das Projekt sollte die Gemeinschaft innerhalb der Schule fördern und die Schule in Bewegung bringen.
Die Klassen, mit denen kein Lehrer ein Projekt durchführt, sollten Blockunterricht bekommen, d.h. zwei Blöcke am Tag zu je drei Stunden, pro Block sollte je ein Lehrer unterrichten. Normaler Unterricht wäre aufgrund von Lehrer- und Raummangel nicht möglich. Auch in diesem Blockunterricht solle die Möglichkeit gegeben sein, ein Thema zu bearbeiten, falls Bedarf bestand, sozusagen als eher kleines Projekt. Die Gestaltung dieser Unterrichtsblöcke sollte den Lehrern völlig frei gestellt sein. Im Prinzip sollte das ganze ein Experiment sein, um für die Zukunft zu sehen, ob es sinnvoll wäre, so etwas jährlich anzubieten. Der Beschluss wurde in der Gesamtlehrerkonferenz mehrheitlich angenommen.
Die "Woche alternativer Unterrichtsformen" begann am Mittwochmorgen mit einer kurzen Durchsage von Herrn Vollmer, in der er mitteilte, dass der Gong für die nächsten drei Tage ausgeschaltet werden würde und er uns viel Spaß wünsche. Die Klassen gingen zu ihrem Projekt bzw. in den Blockunterricht. Ungefähr 25 Projekte haben insgesamt in diesen drei Tagen an der Schule stattgefunden.
Jedes Projekt wurde mit unterschiedlichen Aspekten, Sinn und Zweck durchgeführt. So gab es zum Beispiel Lehrer wie Frau Fabian, Frau Schott und Herrn Gräsle, die die Projekttage nutzten, um in denen von ihnen angebotenen AGs ihrem Ziel näher zu kommen. Frau Fabian arbeitete mit der Klasse 8b und einigen Schülern aus anderen Klassen an ihrem Schulmusical weiter, in dem sie am Anfang kleine Spiele zum Aufwärmen und Erweitern der Schauspielkünste machte, um dies danach bei der Probe einzelner Szenen umzusetzen. Zudem wurde in eifrigen Diskussionen eine bühnentaugliche Fassung erarbeitet, wobei das feste Gerüst und die Rollenverteilung schon standen. Die Songs wurden mit dem Orchester unter der Leitung von Herrn Gräsle geprobt, das auch Frau Schott bei ihrem Projekt, der Probe des Theaterstückes, welches nächste Woche Freitag Premiere hat, musikalisch unterstützte. Die Probe, dieses Theaterstückes wurde ganztägig durchgeführt, da die Oberstufe, die hauptsächlich daran beteiligt ist, regulären Unterricht hatte. Die Theater-AG wurde unter anderem auch von der Bühnenbild-AG unterstützt.
Andere Lehrer, wie Herr Auer und Frau Burkhardt-Wehrle in Englisch mit der Klasse 5a oder Herr Lorenz in Deutsch mit der Klasse 6b, nahmen die Projekttage als Gelegenheit wahr, Sketche oder kleine Theaterstücke für ein Klassenfest einzustudieren. Ein solches Projekt sollte auch gleichzeitig die Gemeinschaft und das selbständige Zusammenarbeiten zwischen den Schülern fördern sowie in der Fremdsprache Englisch die Aussprache. Außerdem sollten die Schüler die Fremdsprache einmal lebendig erleben, was auch der Sinn des Projektes der 7. Jahrgangsstufe war, die ein solches Projekt allerdings in der 2. Fremdsprache absolvierte. Die Lateingruppe von Frau Ratzke entwarf eine eigene Fotostory, die Schüler der Französischgruppe von Frau Mitschke erarbeiteten Plakate, auf denen sie Stockach mit seiner französischen Partnerstadt La Roche in Geschichte, Geografie, den Sehenswürdigkeiten, kulinarischen Spezialitäten und Verkehrsmitteln verglichen.
Die Schüler von Frau Pannach hatten zuerst noch regulären Französischunterricht, bevor sie Sketche auswählten, die sie später einstudieren würden, um sie dann am Tag der offenen Tür vorzuführen.
Die Fremdsprachen waren allgemein ein beliebtes Projektthema: Herr Dr. Vormbaum bearbeitete das Thema EU mit der Klasse 11c, indem er alle GFS, die dieses Jahr in Englisch gehalten werden sollten, auf dieses Thema bezog und an den ersten zwei Tagen der "Woche alternativer Unterrichtsformen" abhalten ließ. Jeder Schüler, der eine GFS machte, stellte ein anderes Land vor. Die Aufgabe der Schüler bei diesem Projekt bestand darin, die Informationen der GFS eigenständig zu überarbeiten, um daraus Poster und Powerpointpräsentationen zu machen, mit denen am Tag der offenen Tür ein so genannter "Showroom" gestaltet wird. Die Klasse 11 b erarbeitete parallel dazu in einem eintägigen Projekt einen Zeitstrahl. Den Schülern sollte auf diese Art und Weise Europa auf Englisch näher gebracht werden.
Frau Haferkamp kombinierte ein englisches Theaterstück mit der Klasse 5b mit dem Projekt von Frau Mannhardt, "Geometrie zum Anfassen". Die Schüler übten abwechselnd das Theaterstück und bastelten mathematische Gegenstände, wie einen Somawürfel oder ein Tangramm und lernten auf praktische Art spielend Geometrie kennen.
Aber nicht nur die Fremdsprachen waren zahlreich vertreten. Es gab ein breit gefächertes Angebot an den verschiedensten Projekten, wie z.B. das Projekt der Klasse 8d, das von Herrn Schmitt und Frau Weber veranstaltet wurde. In diesem Projekt wurden Geschichte und Bildende Kunst kombiniert, indem die Schüler eine mittelalterliche Stadt töpferten. Sie konnten so den Aufbau einer mittelalterlichen Stadt spielend lernen, da sie die Häuser der verschiedenen Gesellschaftsschichten und die anderen Gebäude selber herstellten und so Geschichte praktisch erleben und dabei Spaß haben konnten.
Die Kombination Physik/Erdkunde führte in der Klasse 9b zu einem Projekt, das von Frau Eiberger und Frau Leinß geleitet wurde und sich hauptsächlich um Eisengewinnung drehte. Es gab eine Exkursion nach Innringen bei Sigmaringen zu den Erzgruben und einem alten Stollen, die Eisengewinnung von gestern und heute wurde verglichen, Eisenerze wurden untersucht, anhand des Thermitverfahrens und des Hochofenprozesses lernten die Schüler etwas über die Eisengewinnung.
Bei dem Biologieprojekt, das von Frau Wiedmann und Frau Schmid geleitet und mit der Klasse 7a durchgeführt wurde, ging es um den Regenwald. Zuerst wurden die Schüler in Gruppen aufgeteilt, in denen sie verschiedene Themen bearbeiten sollten, wie zum Beispiel Regenwald allgemein, Klima, Tiere, Pflanzen, Ureinwohner und die Bedeutung. Diese sollten später anhand von Powerpointpräsentationen vorgestellt werden. Der Sinn dieses Projektes lag darin, dass die Schüler sich ein Thema selbständig erarbeiten und es hinterher vorstellen. Zum Abschluss fuhr die Klasse nach Zürich in den Zoo, wo es eine große Regenwaldabteilung gibt, um ihr erarbeitetes Thema in natura zu sehen.
Für die Klasse 11 b hatte sich Frau Schächtle ein ganz besonderes sowie kulinarisch hochwertiges Thema für ein Projekt ausgedacht: Schokolade. Die Geschichte der Schokolade vom Nahrungsmittel der Reichen zum Supermarktprodukt wurde ebenso behandelt wie der Film "Chocolat" mit Johnny Depp. Die Schüler führten eine Umfrage über den Schokoladekonsum an der Schule durch und machten eine Präsentation über ihr Thema auf einem Plakat. Der krönende Abschluss war ein Schokoladenfondue, dem ein Schokoladengeschmackstest voranging, in dem die Schüler ihre eigenen Geschmacksnerven testeten, ob sie verschiedene Marken oder Sorten von Schokolade auseinander halten könnten.
Um den Eltern der Klasse 5c eine Freude zu bereiten, organisierten Frau Ruh, Herr Meiers und Herr Schwab ein Projekt, bei dem die Schüler ein Programm im Sinne einer Fernsehsendung einstudierten, um es ihren Eltern vorzuführen. Frau Ruh übte mit den Schülern einen Tanz mit Akrobatik ein, Herr Meiers sorgte für die Musik und Herr Schwab für die sprachliche Gestaltung. Das Projekt sollte das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Klasse fördern.
Schüler sollten lernen, mit dem Programm Corel PHOTO-PAINT umzugehen - das war das Ziel von Frau Mittelstaedt, als sie das Projekt in ITG mit der Klasse 8c begann. Sie sollten lernen, selber eine Bildmontage zu machen und mit Software zu arbeiten.
Aber auch der Blockunterricht wurde teilweise für sinnvolle Kleinprojekte genutzt. Herr Eberhard nahm mit der Klasse 6c "King Arthur and the knights of the table round" durch, indem er mit den Schülern die Legende las und sie ihnen durch das Basteln von Burgen und Kronen aus Pappe näher brachte.
Um die kreative Ader der Schüler zu fördern, ließ Frau Fobel die Klasse 9a eine eigene Fotostory entwerfen, die Schüler durften selber entscheiden was sie machen und wie sie die Gruppen einteilen wollten.
Frau Sauter ließ die Klasse 10a Sherlock Holmes helfen, den Mörder einer Krimistory zu finden, indem die Schüler sich durch das Lösen von englischen Grammatikfragen Hinweise erarbeiten konnten, die ihnen halfen, den Fall zu lösen.
Darüber hinaus gab es noch viele weitere Projekte.
Die Projekttage waren eine völlig neue Erfahrung für Schüler und Lehrer, auch die Referendare und Praktikanten konnten eine ganz andere Art und Weise zu unterrichten kennen lernen.
Viele Lehrer waren froh darüber, mit einer Klasse, in der sie gerade ein spannendes Thema behandeln und sie dazu etwas außerplanmäßiges machen wollten oder eine gute Idee hatten den Unterricht mal anders zu gestalten, aber nie die Zeit dazu hatten, ein Projekt anzubieten.
Dass die Form der "Woche alternativer Unterrichtsformen", wie der Name schon sagt, mehr unterrichtsbezogen ist, konnte die meisten Lehrer begeistern. Die Abschaffung des Gongs während dieser drei Tage wurde auch begrüßt, da so die Projekte oder Unterrichtsblöcke individuell gestaltet werden konnten.
Dieser Text basiert auf einem Bericht, den die Schülerin Lena Weigele im Rahmen der "Woche alternativer Unterrichtsformen" recherchiert und verfasst hat.